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Zupfen |
Durch das rhytmische Zupfen spielen die Finger abgesetzte Töne, erzeugen also die Tonlängen. Das kann ein einzelner ausgestreckter Finger tun, der von unten die Metallzunge vom Mund weg anreißt (Abbildung 1 und Abbildung 3 A, durchgehender Pfeil). Er kann das gebogene Metallzungenende auch zum Mund hin zupfen (Abbildung 3 A, gestrichelter Pfeil). Hin und her gezupft können schnelle Tonfolgen gespielt werden, wie im Klangbeispiel 1 (158 KB).
Abbildung 3

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Tremolo, schnell gezupfte Tonwiederholungen |
| Weitere Fingertechniken |

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Artikulation durch Atmung |

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Klangeffekte |
Weitere
Spieltechniken, die den Klang
beeinflussen, lassen sich nicht eindeutig dem Melodiespiel oder der
Artikulation zuordnen. Die Zahl möglicher Klangeffekte ist
groß,
freies Ausprobieren lohnt sich und fördert immer neue Effekte
zu
Tage. Besonders die Zunge ist ein vielseitiges Organ. Hier ein paar
Anregungen.
Der
Stimmapparat erzeugt einen wichtigen Effekt, der
auch zur
Artikulation verwendet werden kann: Bei geschlossener Stimmritze
verändert sich der Resonanzraum so, dass zusätzlich
zu den
"normalen" Tönen wesentlich tiefere Töne der
Maultrommel deutlich hörbar werden als bei offener Stimmritze.
Die Stimmritze ist
das Ventil, das beim Sprechen den Luftstrom durch die Stimme
unterbricht (vgl. Abbildung 4 in Töne
der Maultrommel). Dann öffnet sie sich und es
erklingt ein Vokal.
"#Also das verstehe #ich nicht". Bei den # geht die
Stimmritze kurz zu und wieder auf, so dass die Vokale von "also"
und "ich" entstehen. Beim Husten ist es die Stimmritze, die
die von den Bauchmuskeln gepresste Luft plötzlich freigibt. In
Klangbeispiel
9 (235
KB) hört man erst eine Melodiestimme, und dann wird die
Stimmritze geschlossen: Es kommt eine tiefere zweite Stimme dazu.
Zusätzlich hört man rhytmische Akzente durch die Stimmritze und natürlich immer den Grundton.
Die
Nasen- und Mundhöhle
sind wichtige Teile des
Resonanzraumes. Wenn dieser Raum verändert wird
ändert sich
der Maultrommelklang. Die Nasenhöhle kann mit dem Gaumensegel
zur Luftröhre hin verschlossen werden (vgl. Abbildung 4 in Töne der Maultrommel).
Das ist
die
Bewegung, die man macht, wenn man spricht und dabei verschnupft
klingen will - also die Nase verschließt. Die
Mundhöhle
wird mit der Zunge am Gaumensegel zur Luftröhre hin
verschlossen wenn man den Laut ng
spricht: Maultrommel spielen und dabei (stimmlos) ungungungung sagen
erzeugt einen interessanten Effekt, der im ersten Teil von
Klangbeispiel
10 (160
KB) zu hören ist.
Der zweite Teil führt
einen weiteren
Zungeneffekt vor, der entsteht, wenn die mittlere
Zunge an die
Backenzähne im Oberkiefer gelegt wird und dann die
Zungenspitze
sich abwechselnd an den Gaumen legt und wieder löst, wie wenn
man "nanana" sagt.
Für einen percussiven Klangeffekt
kann die Maultrommel an die
zum Kussmund geschürzten Lippen gehalten
werden.
Der Klang wird
leiser und die Metallszunge schwingt kürzer. Bei geschlossenem
Mund schlägt die gezupfte Metallzunge auf die Lippen. Durch
öffnen der Lippen gleich nach dem Aufschlagen entstehen die
Geräusche von Klangbeispiel
11 (259 KB).
| Tonhöhen, Melodiespiel |
Melodietöne
Für das Melodiespiel auf der Maultrommel werden die gleichen
Zungenbewegungen gebraucht wie beim Sprechen der verschiedenen Vokale.
Um das auszuprobieren, eine kleine Übung: Spielen Sie auf
ihrer
Maultrommel und hören Sie auf den Ton der Maultrommelzunge,
den
Grundton. Singen Sie diesen Ton ohne Maultrommel nach. Formen Sie jetzt
beim ununterbrochenen Singen dieses Tons mehrmals die Lautfolge u -
ü - i - ü - u. Hören Sie darauf, wie der
Klang es
gesungenen Tons sich dabei verändert: Sie hören
Obertöne
ihrer Stimme, die von u nach i höher werden und von i nach u
wieder abfallen. Spielen Sie jetzt noch einmal auf der Maultrommel und
machen Sie ohne Stimme die gleiche Zungenbewegung von u nach i und
zurück. Neben dem Grundton hören Sie die wechselnden
Obertöne der wichtigsten Resonanz, nämlich
des 2.
Formanten (siehe Töne
der Maultrommel, Resonanzräume).
Hier
noch eine zweite Art, wie Sie sich die Obertöne im 2.
Formanten
vergegenwärtigen können: Pfeiffen Sie ein
Lied. Sie
nutzen und hören wieder den 2. Formanten, also den gleichen
veränderlichen Hohlraum, nur dass die Töne jetzt
anders
angeregt werden. Achten Sie darauf, wie sich die Zunge bewegt, wenn Sie
die verschiedenen Töne pfeifen. Achten Sie auch auf den
Tonumfang,
der beim Pfeifen zur Verfügung steht. Es ist zugleich der
Tonumfang für Maultrommelmelodien. Wenn Sie beim Pfeifen
innehalten, den Mund unverändert lassen und die Maultrommel
ansetzen und zupfen, erklingt genau oder doch ungefähr der
gleiche
Ton bei dem sie das Pfeifen unterbrochen haben.
Tiefe
Begleittöne
Schwieriger ist es, sich den tiefen Resonanzbereich (1. Formant) des
Mund-Rachenraums zu vergegenwärtigen und für
tiefere Begleittöne
zu nutzen. Hören kann man diesen Effekt im Stück
"Kein
schöner Land" (siehe Musikstücke):
Hier ist die erste Strophe ohne, die zweite mit hervorgehobenen
Begleittönen gespielt. Sollte die folgende, nicht so leichte
Übung nicht funktionieren - nicht verdrießen lassen,
dies
ist nur ein ergänzender Effekt. Spielen Sie mit
gleichmäßigem Zupfen auf der Maultrommel und achten
Sie auf
den Grundton. Spielen Sie einen konstanten, nicht wechselnden
Melodieton, zum Beispiel eine Oktave des Grundtons. Jetzt formen Sie
beim Spielen mehrfach (ohne Stimme) die Vokalfolge u - o - a - o - u.
Dabei soll der Melodieton unverändert bleiben. Normalerweise
wird
beim Sprechen der Klang von u und o erzeugt, indem sich der Rachenraum
verlängert und weitet und die Lippen gespitzt werden. Hier
lassen
wir das Lippenspitzen weg - die Lippen bleiben an der Maultrommel
unverändert. Wenn es klappt, hören Sie von u
über o zu a
ansteigende Töne, die tiefer liegen als die
Melodietöne der
vorherigen Übungen. Besonders deutlich sind diese tiefen
Resonanzen zu hören, wenn Sie beim Spielen leicht durch die
Maultrommel hauchen, oder aber wenn Sie die Stimmritze
schließen
(wie beim Luft anhalten, siehe oben: Stimmapparat
und Klangbeispiel
9 (235
KB).
Melodien
spielen
Analog zur Bildung der Vokale beim Sprechen kann man auf der
Maultrommel Melodien spielen, deren Töne aus der
Obertonreihe zum Grundton der Metallzunge bestehen (siehe Töne der Maultrommel).
Im
oberen Teil des Tonumfangs von Maultrommeln liegen die
Obertöne
so dicht beisammen, dass praktisch jede Melodie frei gespielt werden
kann - unabhängig vom Grundton. Die Lücken in den
spielbaren Tönen liegen im unteren Bereich. Da der Grundton
aber
immer mitschwingt, klingt es am besten, wenn er auch zur Musik passt.
Eine C-Maultrommel passt besonders zu C-Tonarten (Dur ebenso wie
Moll). Der stets mitschwingende Grundton wirkt wie ein Bordunton bei
Dudelsäcken und mittelalterlichen Saiteninstrumenten. Dies
illustriert ein kleiner Ausschnitt aus La Quarte Estampie Real (Klangbeispiel 12, 209 KB). Die Töne
können nicht wie etwa
beim Klavier mechanisch abgerufen werden. Die Tonhöhen
funktionieren genau wie beim Pfeiffen: Sie werden frei im Mund
geformt. Für das Spielen einer unbekannten Melodie nach Noten
bedeutet dies: Man muss die in Noten aufgeschriebene Melodie kennen
oder innerlich hören wie beim Singen vom Blatt.
| Bügelmaultrommel:
Spiel ohne
Kontakt an den Zähnen |
Um die
Schneidezähne zu schonen,
schlage ich vor, eine oder mehrere Bügelmaultrommeln an einem
Gewicht , z.B. einem Stück Metallrohr zu befestigen
(Abbildung 6). Die Bügelmaultrommeln
können
dann wie Rahmenmaultrommeln an den Lippen, ohne Kontakt zu den
Zähnen, gespielt werden (siehe Kapitel Bügel-
und Rahmenmaultommeln). Das Spiel ohne Zähne ist
angenehm,
vor allem bei längerem Spielen und Üben.
Gut
funktionieren Gewichte von 200 bis 300 g, die 20 bis 30 cm lang sind.
Die Länge ist wichtig, weil die Maultrommelzunge eine
Drehbewegung macht (Abbildung 7 rechts, blauer Pfeil). Das Gewicht
muss dieser Drehung einen Hebel entgegensetzen (roter Pfeil). Beim
abgebildeten Metallrohr wird die Maultrommel durch ein
Seil zwischen zwei Holzstücken festgehalten. Das Seil
läuft
durch das Rohr und ist am anderen Ende an einen Holzstift gebunden.
Der Stift wird gedreht, dadurch verdreht sich das Seil und spannt die
Maultrommel fest.
Mit
Gewicht und ohne Zähne-Kontakt können die Lippen beim
Spielen
geöffnet und geschlosen werden, wie in der kleinen
Lippenspielerei in Klangbeispiel 13
(221 kB).
Die
Firma Dan Moi hat meine Idee eines Maultrommelgewichtes aufgegriffen
und
bietet es als Zubehör an (siehe Internet-Links).
Abbildung 6
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